Patrizia Wiesner

Photography
AthousandFriends
C-Print 85x110 cm
Vienna 2009

AthousandFriends

MUSA Museum auf Abruf 8. – 15. 10. 2009

Hegel erkannte einst gesellschaftliche Anerkennungsprozesse als wesentlich durch Formen von Tausch charakterisiert. Social network websites können heute als Plattformen gegenseitiger Image-Tauschakte und als Versinnbildlichung des identifizierenden Denkens gelesen werden. Die sozialen Codes auf den meist photographischen Selbstbildnissen sind unmittelbar einsehbar. Sie zeigen sich zunächst unverhüllt also öffentlich, kommen aber bei näherer Betrachtung in ein privates Gesichtsfeld, welches sich wiederum öffentlich repräsentiert. Privare (lat. berauben) findet hier zu seinem ursprünglichsten Sinn, denn die Selbstdarstellung im Zusammenhang mit der Preisgabe persönlicher Informationen, welche auch stark durch die Wahl des eigenen Images vermittelt wird, ist auch für Nicht-Friends zugänglich. Es herrscht eine Art Doppelstruktur, eine private Öffentlichkeit. Die sich Darstellenden erzeugen einen sozialen Wert, den sie um den Preis der privaten Sphäre gegen eine Form von Anerkennung eintauschen. Verstehen wir nun das Gerücht im Sinne seiner ursprünglichsten Bedeutung Pheme (gr. Stimme / Rede ; später: Ruhm ), so ergibt sich eine speziell weibliche Identifikation. Nicht umsonst wurde für diese Arbeit auch eine in Wien lebende Userin mit mehr als 1000 Friends gewählt. Sie selbst dient hier als Medium und als Allegorie der monströsen Gottheit Pheme. Die Arbeit “AthousandFriends” zeigt nun eine lineare Reihung der einzelnen Selbstportraits dieser Friends um analogisch unsere Befangenheit in der begrifflich identifizierenden und somit auch historisch-linearen Lesart dazustellen. Der Begriff Friend wird durch einen Bedeutungskomplex ersetzt. Eine der historischen Lesart angemessenen Darstellung würde sich nun folgendermaßen zeigen:

FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND ………...

Der Text-Code der digitalen Photographie wurde hier durch den Begriff: Friend ungefähr 1000 mal ersetzt. Somit wird der Code: Friend, so wie er uns durch diese Darstellung als Bedeutungskomplex gegeben ist, erneut als lineares Zeichen eingeführt.

Leftovers
C-Print 13,5x18,5 cm
Loch Abar / Vienna 2009
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C-Print 13,5x18,5 cm
Loch Abar / Vienna 2009
Your image is a code
C-Print 13,5x18,5 cm
Loch Abar / Vienna 2009

Your Image is a Code

Galerie Denkraum 20. 2. – 27. 2. 2009
Der digitale Text-Code der Photographie wird hier als Analogon zur produktiven Einbildungskraft verwendet, die ihrerseits aus dem Stoff der alltäglichen Erfahrung eine neue Natur schafft. Die Natur des digitalen Bildes ist wesentlich durch das binäre System charakterisiert und in endlich viele Zeichensysteme transformierbar. Um zu einer Darstellung unserer Anschauung von Begriffen zu gelangen werden die Zeichen, wie bei der Schrift, in eine konventionelle Form gebracht. Dadurch entsteht ein Bedeutungszusammenhang der im besten Falle Sinn erzeugt. Ein arbiträres Ersetzen, Vertauschen oder Löschen einzelner Zeichen dieses Systems führt zu einer veränderten Wahrnehmung des Bedeutungskoplexes. Es soll gezeigt werden, daß ein Apperzeptionsprozess niemals ohne Vorzeichen, sondern immer schon in codierten und dadurch manipulierbaren Begriffsstrukturen passiert. Wie wir eine konkrete Wirklichkeit sinnlich erfassen ist durch unsere Erwartung an eine bestimmte Struktur wesentlich mitbestimmt. Eine kognitiv angemessene Darstellung von Welt ist daher epistemologisch immer als redundanter Prozess zu verwerfen.
An Ceartuair   (At This Moment)
C-Print 45x61 cm
Tongue / Vienna 2008
An-Dràsda   (Just Now)
C-Print 45x61 cm
Loch Naver / Vienna 2008

Words May Change Your Image

Galerie Raum mit Licht 11. 11. – 10. 12. 2008
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Das technische Bild - die Photographie - mit Vilem Flusser verstanden als konnotativer Bedeutungskoplex lässt dem/der Betrachter/in zwar Raum für Interpretation, wird aber gleichzeitig immer schon als Symptom und nicht als Symbol einer konkreten Wirklichkeit erfasst. Es scheint als wäre die Ebene der Bedeutung an der zweidimensionalen Oberfläche zu finden. Das historisch lineare Denken wird durch das entstandene photographische Idol in ein nachgeschichtliches zirkulierendes Bewusstsein umcodiert und läuft dem textuellen Erfassen der Zeichen-Sprache vor- und nach. So befindet sich das Photo in einer Art von Zwischenraum. Es ist ein Vakuum in dem die Begriffe aus Zeilen zu Sachverhalten werden und in den Bildern wie ewig wiederkehrende Gedanken kreisen. Ein kritisches und wesentliches Bildverständis ist nur durch textliche Übersetzung möglich. Als autoritäres Zeichen und lokutionärer Akt ist der Begriff eine In-form-ation und verändert sowie gesprochen als auch gelesen die sinnliche Wahrnehmung und den Zugang der BeobachterIn, es verändert die Interpretation und somit auch die Begriffe des Bildes. Die Information im Kontext ist Grundlegend für das Sehen eines Bildes. So wie sich seit der Erfindung der Schrift ihre Zeichen, deren Bedeutung und Sinn und auch der phonetische Ausdruck immer wieder modifizierten, anpassten und verschwanden, ist unsere (photographische) Wahrnehmung einem steten Wandel unterworfen dem der textuelle vor- und nachläuft. Da uns Bilder jedoch keine Allgemeine Begriffe mehr bedeuten öffnen sie uns ein leeres und bedeutungsloses Universum. Sie füllen es mit einem magischen Code. Wenn wir nun die Begriffsbildung als eine Grundmöglichkeit des Daseins selbst erkennen und die Ausdehnung der photographischen Realität beobachten, wird uns augenblicklich augenscheinlich wie relevant ein kritisches photographisches Bewusstsein für unser Dasein ist. Das Überlagern der Photographie mit ihrem digitalen Text-Code soll die Begriffliche Undurchsichtigkeit und die dadurch entstehende Verstellung der Wirklichkeit anzeigen. Die Beschreibung mit den schottisch-gaelischen Worten an ceartuair für “at this moment” und an-dràsda für “just now” meint das Nichtentkommenkönnen der Photographie aus dem linearen begrifflichen Denken. Die dem Ort zugeschriebene Sprache und deren Aussprache verweist auf die Entferntheit des Moments der Aufnahme welcher immer nur in seiner Abstraktion real wird. Die für uns “fremde Sprache” kann eine solchermaßen verschobene Bedeutungsebene nur andeuten und die (verdrängte) historische Lesart der Photographie plakativ skizzieren.

Curriculum Vitæ

Patrizia Isabella Wiesner, geboren 1981, lebt in Wien
Patrizia Isabella Wiesner, born 1981 in Vienna, photographer

Ausbildung

Seit 2004Studium der Philosophie an der Universität Wien
2007/08Schule für künstlerische Photographie, Wien
1998/04Höheren Graphischen Bundes- Lehr- und Versuchsanstalt, Abteilung Photographie, Wien

Education

Since 2004Student of Philosophy at the University of Vienna
2007/08School for Artistic Photography, Vienna
1998/04Federal Graphic Institute of Higher Learning, department of Photography, Vienna

Ausstellungen

10/2009Gruppenausstellung "ViennArt 2009: Wiener Gerücht", MUSA Museum auf Abruf, Wien
02/2009Gruppenausstellung "Bette dein Haupt auf Stroh und genieße die Aussicht", Galerie Denkraum, Wien
11/2008Gruppenausstellung "movere – poesie des moments", Galerie Raum mit Licht, Wien
05/2008Gruppenaustellung im "subsatellit", Soho in Ottakring
Seit 12/2005Wechselnde Photographien im Literaturcafe Café Kafka, Wien
08/2000Austellung im Kunstwerk Wien im Zuge des Theaterstücks “Der Zensor” von Anthony Neilson

Exhibitions

10/2009Group exhibition "ViennArt 2009: Wiener Gerücht", MUSA Museum auf Abruf, Vienna
02/2009Group exhibition "Bette dein Haupt auf Stroh und genieße die Aussicht", Denkraum Gallery, Vienna
11/2008Group exhibition "movere – poesie des moments" Raum mit Licht Gallery, Vienna
05/2008Group exhibition at "subsatellit", Soho in Ottakring
Since 12/2005Varying photographs at literature-café Kafka, Vienna
08/2000Exhibition at Kunstwerk Wien in conjunction with the play “The censor” by Anthony Neilson

Auftragsarbeiten (Auswahl)

10/2007Photographin - Transparadiso Projekt “ Ish bin ein…” von Barbara Holub
10/2005 - 02/2007Photographin - Agentur Mast, Wien
08/2005 - 10/2006Photographin - Photostudio Fuchsjäger, Wien
09/2003Photographin - Wickerl Adam und Sex without Nails Bros. Musical "Joe´s Garage" von Frank Zappa
07/2002 - 08/2002Photo Albrecht Praktikum, Schweiz
07/1999 - 09/1999Photostudio Renate Fuchsjäger Praktikum, Wien

Selected Work

10/2007Photographer for the transparadiso project “ish bin ein…” by Barbara Holub
10/2005 - 02/2006Photographer at Agentur Mast, Vienna
08/2005 - 10/2006Photographer at Photostudio Fuchsjäger, Vienna
09/2003Photography for the musical of Wickerl Adam and Sex without Nails Bros. Musical "Joe´s Garage" by Frank Zappa
07/2002 - 08/2002Internship at Photo Albrecht, Switzerland
07/1999 - 09/1999Internship at the Renate Fuchsjäger Photostudio, Vienna

Ausgewählte Publikationen

02/2008Bandphotographien für das Album "Into the arms of chaos" von Whispers in the Shadow
10/2007Photo für den “waypoints like sharon´s stone” Ausstellungskatalog, Kunsthalle Exnergasse, Wien
07/2006Kunstwerk Wien für "Resident Magazin"
10/2002Photographien für das Buch “Minenfelder unserer Träume” von Thomas Havlik
02/2002Whispers in the Shadow für "Eclipsed Magazine"

Selected Publications

02/2008Bandphotography for the Album “Into the arms of chaos" by Whispers in the Shadow
10/2007Picture for the catalogue of the exhibition "waypoints like sharon´s stone" kunsthalle exnergasse,vienna
07/2006Kunstwerk Wien for the "Resident Magazine"
10/2002Photography for the book “minefields of our dreams” by Thomas Havlik
02/2002Whispers in the Shadow for "Eclipsed Magazine"

Visuals

11/2007pad.me Visuals für "System King-Kong", Arsenal Objekt 210, Wien
09/2007pad.me Visuals für "waves-fields-fronts", kaleidoskop, Wien
08/2007pad.me Visuals für "Vienna Drum and Bass", Arena Wien
04/2007pad.me Visuals für "Synergetic Movement Vienna", WUK, Wien
12/2006pad.me and Milamotion Visuals für "Synergetic Movement Vienna", The Zoo, Wien
10/2006pad.me Visuals für "Fase53", Wien
09/2006pad.me Visuals für "Synergetic Movement Vienna", The Zoo, Wien

Visuals

11/2007pad.me visuals for "System King-Kong", Arsenal Objekt 210, Vienna
09/2007pad.me visuals for "waves-fields-fronts", kaleidoskop, Vienna
08/2007pad.me visuals for "Vienna Drum and Bass", Arena Vienna
04/2007pad.me visuals for "Synergetic Movement Vienna", WUK, Vienna
12/2006pad.me and Milamotion Visuals for "Synergetic Movement Vienna", The Zoo, Vienna
10/2006pad.me Visuals für "Fase53", Vienna
09/2006pad.me Visuals für "Synergetic Movement Vienna", The Zoo, Vienna
Copyright 2008 Patrizia Wiesner – patapoe@mediavirus.org