Patrizia Wiesner

Photography
Chetham's Library
C-Print 40,5x55 cm
Manchester 2011
QR
C-Print 30,5x45 cm
Manchester 2011
Untitled
C-Print 40,5x55 cm
Manchester 2011
Untitled
C-Print 40,5x55 cm
Manchester 2011
Perceptual Acquaintance
C-Print 40,5x55 cm
Manchester 2011
UW
C-Print 40,5x55 cm
Manchester 2011
Reid, Thomas, 1710-1796. An inquiry into the human mind: on the principles of common sense / by Thomas Reid. London: Printed for the proprietors, 14, Charlotte Street, Bloomsbury, 1818. MAIN 4.C.7.27(3)
C-Print 40,5x55 cm
Manchester 2011

Chetham's Library

If the visible had a voice it would probably say: "Don't read me, I am not a book—but see me I do make sense!"

In the very first autonomous publication made on perception, the Inquiry Into The Human Mind (1764) written by the Scottish philosopher Thomas Reid, we can find a theory on the genealogy of perception which had a great impact not only on the way Philosophers tended to explain the phenomenon of seeing, but as well on the understanding of the perception of images. Reid points out that the constitution of perception is to be explained through an unconscious act of reading signs i.e through an interpretation of the sensation we gain from visible objects. Hence seeing is a mere semiotic act—it is an action of reading the language of nature.

By creating an allegory upon Reid's theory, the Chetham's Library falls into place perfectly not only by means that we can find objects there, of course the books, we can actually read. If we take a look around the library, naturally, what we see could be used as signs for knowledge and the work of deeply devoted people, not only the thinkers and writers, but also the librarians. As the Chetham's Library is a public library it provided many people the opportunity to expand their knowledge and thereby influenced the peoples way in seeing things. If so, reading can by all means change our imagination. But clearly, what we can not see and observe are the signs themselves, hence we can't read them.

Now, what I want to show literally is the difference of seeing and reading by combining the mere visible with the readable—the content of the library i.e. parts of its catalogue. It is a suggestion what the visual field could possibly look like if we could see the signs of meaning. And of course, it alters our view. But leaving the mere visible without the hypothesis of a preceded intellectual act, we can use the image to reintroduce the perceived as a phenomenon without any assumption of a hidden message.

Stil statt Wahrheit
C-Print 30,5x45 cm
Manchester 2011
Llyn Celyn
C-Print 30,5x45 cm
Manchester 2011
Expression of Movement
C-Print 30,5x45 cm
Manchester 2011
Don't judge things on their appearance
C-Print 30,5x45 cm
Manchester 2011
The protesters made their case very vocally
C-Print 30,5x45 cm
Manchester 2011

The merely visible as a permanent impression of movement

If seeing is a movement of expression (Konrad Fiedler) and stylisation is an essential condition of perception, the seen eventually becomes a private creation by the observer. From our specific way of seeing certainly we can conclude that we are in some way specific. And by creating images this can be made more or less obvious. But, if in return the way we are is to a certain extend an outcome of our perception (Lambert Wiesing), the perception of images actually designates the way we see i.e. it unifies the artefacts of perception and hence it unifies the individual's manner of being.

Fairs Summer's Eve
C-Print 11,8x17,7 cm
Vienna/Manchester 2010
To Autumn
C-Print 11,8x17,7 cm
Vienna/Manchester 2010
Ode to Melancholy
C-Print 11,8x17,7 cm
Vienna/Manchester 2010
Negative Capability
C-Print 11,8x17,7 cm
Vienna/Manchester 2010
Ode to Indolence
C-Print 11,8x17,7 cm
Vienna/Manchester 2010

Negative Capability

<fill with space and time>

Der britische Dichter John Keats beschreibt 1817 die Negative Capability als eine Fähigkeit, Ungewissheiten ertragen zu können, ohne ständig der Versuchung, eine Erfahrung der Sinne durch den Verstand aufklären zu wollen, nachzugehen. Denn so würde man sich eine „schöne isolierte Wahrscheinlichkeit, erhascht aus der Tiefe des Mysteriums“ entgehen lassen. Keats bezog sich in dieser seiner Kritik primär auf seine Zeitgenossen Dilke und Coleridge, welchen er ein „bohrendes Analysieren aller metaphysischer Geheimnisse“ vorwarf. In seinem Verständis vollendete gerade die Negative Befähigung das Wesen jeder großen Dichtkunst.

Ebensowenig wie der Sinn einer Lyrik argumentativ aufzuklären ist, kann der sinnliche Sinn eines Bildes nicht durch Begriffe zur Sprache gebracht werden, sondern nur durch ein Sichtbarkeitsgebilde selbst. Das anhaltende menschliche Streben dem visuell Gegebenen als terra incognita der Vernunft auf die Schliche zu kommen, zeigt sich aber besonders durch die anhaltende Faszination der Photographie. Durch sie scheint sich der Wunsch nach einer objektiven Ansicht, was hier bedeuten soll die Möglichkeit jeder alternativen Perspektive auszuschließen, zu erfüllen. Denn jegliche Ahnung von einer Mitgegenwart der Rückseite kann sich niemals erfüllen. Als Prototyp einer reproduzierbaren Abbildungsgrammatik ist die Photographie ein Medium, das sich selbst gerne Verleugnen will. Denn der Blick wird durch das Bild hindurch auf das erscheinende Objekt gelenkt, nur selten bleibt er an der formalen Textur heften. Nicht umsonst hält sich ihre Beliebtheit in Grenzen sollte sie in den Dienst treten, die Struktur des Sehens selbst aufzuklären. Denn visuelle Wahrnehmung wäre in diesem Sinne analog zur (passiven) Abbildungsfunktion einer Camera Obscura aufzufassen. Das Sehen selbst wäre auf eine bloße Häutung der Wahrnehmungsgegenstände zurückzuführen. Für Merleau-Ponty, dessen Studien zur Wahrnehmung immer auch als Bildstudien gelesen werden können, ist deshalb auch nur die Malerei in der Lage die Stilisierungsleistung der Wahrnehmenden selbst sichtbar zu machen. Durch den Stil eines Bildes kann das Wie der Wahrnehmung selbst noch einmal zum Gegenstand einer phänomenologischen Anschauung werden. Die Bildproduktion kann so als Einüben ins Sehen praktiziert werden. Die Malerei aber „[...] entdeckt, dass es vor der geometrischen und der photographischen Perspektive bereits eine gelebte Perspektive gibt. (...) Von einer Verzerrung der Perspektive sprechen heißt, ein Schema anwenden, das dem gewöhnlichen Kameraauge gemäß ist, nicht aber dem leiblichen Auge.“1 In einem sich gegenseitig bedingenden Fortlaufen von bilhaftem Sehen und einem Sehen in Bildern ist jedoch von der vorstrukturierenden Wirkung einer photographisch durchsetzen Welt, welcher wir uns schließlich Tag täglich gegenüber vorfinden, nicht mehr abzusehen. Es ist augenscheinlich, dass die photographischen Bilder die Ordnung der Sichtbarkeit der erscheinenden Wirklichkeit stilisieren.

Die grammatische Struktur des digitalen Bildes kann in ihre Abbildungsfunktion erscheinender Gegenstände als Sinnbild einer rechnenden und messenden Kultur verwendet werden. Einer Dialektik von Macht (durch bildhaftes Aneignen von Welt) und dem gleichzeitigem Kontrollverlust der subjektiven Ausdrucksbewegung (durch den Apparat) möchte ich durch ein Eingreifen in die Strukturierungsleistung des Sichtbar­keits­isolationsvorganges selbst (der Kamera oder des entstandenen Codes) entgegenwirken. Da dieser Code, ebenso wie die sichtbare Wirklichkeit keineswegs als sinnvoller, narrativer Text gelesen oder beschrieben werden kann, muss er selbst zum Gegenstand des Gleichmutes werden. Er ist das Symbol der Ungewissheit welcher wir uns auszuliefern haben, wenn wir uns nicht mit einer ästhetischen Schau und einer reproduzierenden Haltung zu jener begnügen wollen. Dadurch möchte ich zeigen, dass sich ein sinnlicher Sinn im Sichtbaren nur durch die Reflexion auf den Sehen selbst aufklären lässt und nicht als ein unbewusster Lesakt oder als ein unbewusstes Zeichenlesen verstanden werden kann. „Der Sinn eines Zeichens ist eine Regel, wie man sich mit dem Zeichen auf etwas beziehen kann. Regeln können aber nicht wahrnehmbar sein.“2 Um die Ambivalenz von ästhetischer Hingabe einerseits und der notwendigen Lässigkeit (Indolence) andererseits ins Bild zu bringen (notwendig in Anbetracht der Unlesbarkeit des Sichtbaren), habe ich in dieser Arbeit den digitalen Code der Photographien durch Gedichte und einen Brief von Keats ersetzt. Diese poetische Intervention soll ein Sinnbild für die Un-lesbarkeit von Sichtbaren darstellen, eine zusätzliche verborgene und damit erst zu entdeckende Sinnebene (die Poesie) einführen, um schließlich damit das homogene Bild aufzureissen.

Keats hegte trotz, oder gerade wegen seiner Schönheitssehnsucht, deren Ursprung schließlich niemals in ihrer Erfüllung selbst zu suchen ist, Zweifel an einer romantisierenden, idealistischen Poesie welche ohne ethischem Konzept auskommen wollte. Ebenso kann die Photographie keine heilbringende Funktion erfüllen, im Sinne einer sich immer wieder bewährenden Bestätigung von Erwartungen an eine sichtbare Welt. Sie kann aber auch nicht als bittere Enttäuschung moralischer und formaler Vorrausnahmen gelingen (Melancholy). Einzig durch das Erforschen und Bearbeiten ihrer formalen Methode, und nicht durch ein nachträgliches Erklären einer Absicht, kann sie als Bereicherung und Erweiterung unseres sichtbaren Feldes ihren Beitrag leisten.

  1. Bernhard Waldenfels; Bilhaftes Sehen, Merleau-Ponty auf den Spuren der Malerei; In: Kunst. Bild. Wahrnehmung. Blick.; Fink Verlag; 2010; S. 38
  2. Lambert Wiesing; Artifizielle Präsenz. Studien zur Philosophie des Bildes; Suhrkamp; 2005; S. 31
AthousandFriends
C-Print 85x110 cm
Vienna 2009

AthousandFriends

MUSA Museum auf Abruf 8. – 15. 10. 2009

Hegel erkannte einst gesellschaftliche Anerkennungsprozesse als wesentlich durch Formen von Tausch charakterisiert. Social network websites können heute als Plattformen gegenseitiger Image-Tauschakte und als Versinnbildlichung des identifizierenden Denkens gelesen werden. Die sozialen Codes auf den meist photographischen Selbstbildnissen sind unmittelbar einsehbar. Sie zeigen sich zunächst unverhüllt also öffentlich, kommen aber bei näherer Betrachtung in ein privates Gesichtsfeld, welches sich wiederum öffentlich repräsentiert. Privare (lat. berauben) findet hier zu seinem ursprünglichsten Sinn, denn die Selbstdarstellung im Zusammenhang mit der Preisgabe persönlicher Informationen, welche auch stark durch die Wahl des eigenen Images vermittelt wird, ist auch für Nicht-Friends zugänglich. Es herrscht eine Art Doppelstruktur, eine private Öffentlichkeit. Die sich Darstellenden erzeugen einen sozialen Wert, den sie um den Preis der privaten Sphäre gegen eine Form von Anerkennung eintauschen. Verstehen wir nun das Gerücht im Sinne seiner ursprünglichsten Bedeutung Pheme (gr. Stimme / Rede ; später: Ruhm ), so ergibt sich eine speziell weibliche Identifikation. Nicht umsonst wurde für diese Arbeit auch eine in Wien lebende Userin mit mehr als 1000 Friends gewählt. Sie selbst dient hier als Medium und als Allegorie der monströsen Gottheit Pheme. Die Arbeit “AthousandFriends” zeigt nun eine lineare Reihung der einzelnen Selbstportraits dieser Friends um analogisch unsere Befangenheit in der begrifflich identifizierenden und somit auch historisch-linearen Lesart dazustellen. Der Begriff Friend wird durch einen Bedeutungskomplex ersetzt. Eine der historischen Lesart angemessenen Darstellung würde sich nun folgendermaßen zeigen:

FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND ………...

Der Text-Code der digitalen Photographie wurde hier durch den Begriff: Friend ungefähr 1000 mal ersetzt. Somit wird der Code: Friend, so wie er uns durch diese Darstellung als Bedeutungskomplex gegeben ist, erneut als lineares Zeichen eingeführt.

Since Hegels theory of society, social acceptance is mainly provided and characterized by trading and exchanging values. Today social network websites may be understood as platforms for image-trading as well as allegories for a manner of 'identity thinking' as Adorno criticized. The social codes on most of the photographs shown on this websites are instantaneously evident. Initially unveiled and public, by taking a closer look they appear in private field, that again represents itself to the public. The term privare (lat. deprive of) here finds to its primary meaning, since self-promotion in connection with surrendering certain personal information (strongly influenced by choosing a specific image) is also accessible to others than friends. We are then able to locate a double structure, a private public. Self-expression generates a social value and in exchange of the private sphere it gains recognition. If we follow the term rumor to the roots of its meaning Pheme (greek for speech /voice; later fame) we find a particular female identification. Not for nothing i have chosen a female user with more than 1000 Friends. Here she acts as an allegory and as a medium for the goddess Pheme. The work "AthousandFriends" shows self-portraits of the friends of Pheme as a linear sequence, to analogical exhibit us being biased within identity thinking and historic linear reading of the reality. The term friend is now being changed with a complex of meanings. An adequate presentation of our historic reading would look like that:

FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND …………

I exchanged signs of the text-code from the digital photograph with the term friend approximately a thousand times. Hence the code: friend is again established as a linear sign.

Leftovers
C-Print 13,5x18,5 cm
Loch Abar / Vienna 2009
? to ;
C-Print 13,5x18,5 cm
Loch Abar / Vienna 2009
Your image is a code
C-Print 13,5x18,5 cm
Loch Abar / Vienna 2009

Your Image is a Code

Galerie Denkraum 20. 2. – 27. 2. 2009
Der digitale Text-Code der Photographie wird hier als Analogon zur produktiven Einbildungskraft verwendet, die ihrerseits aus dem Stoff der alltäglichen Erfahrung eine neue Natur schafft. Die Natur des digitalen Bildes ist wesentlich durch das binäre System charakterisiert und in endlich viele Zeichensysteme transformierbar. Um zu einer Darstellung unserer Anschauung von Begriffen zu gelangen werden die Zeichen, wie bei der Schrift, in eine konventionelle Form gebracht. Dadurch entsteht ein Bedeutungszusammenhang der im besten Falle Sinn erzeugt. Ein arbiträres Ersetzen, Vertauschen oder Löschen einzelner Zeichen dieses Systems führt zu einer veränderten Wahrnehmung des Bedeutungskomplexes. Es soll gezeigt werden, daß ein Apperzeptionsprozess niemals ohne Vorzeichen, sondern immer schon in codierten und dadurch manipulierbaren Begriffsstrukturen passiert. Wie wir eine konkrete Wirklichkeit sinnlich erfassen ist durch unsere Erwartung an eine bestimmte Struktur wesentlich mitbestimmt. Eine kognitiv angemessene Darstellung von Welt ist daher epistemologisch immer als redundanter Prozess zu verwerfen.

In the work "Your image is a code" the digital text-code is analogously used to the productive imagination—on her part creating a new quality from the matter of (sensual) experience. The quality of a digital image is fundamental characterized by the binary system and can be transformed to finite varying symbol systems. To illustrate our assumption of terms, symbols—as in script—are arranged in a conventional form. Thus a context of meaning occurs, at best evoking sense. Through arbitrary exchanging, replacing or deleting single symbols of this system, the perception (of the image) changes as well. If seeing turns into reading (or decoding) the visible, we can only experience reality through an (unconscious) mediating interpretation. Thus I want to indicate that a semiotic theory of images never allow apperception without an augury and therefore perception ever happens through coded and therefore manipulable structures of symbols we don't know were they come from. As then a sensual realization is basically codetermined by our expectation to a specific structure a bona fide representation of the visible is to be rejected as an redundant attempt.

Fotografie sei eine „Botschaft ohne Code“, meinte Roland Barthes, da sie sich nicht wie die Sprache in Einzelteile zerlegen lasse. Dass auch dem mitnichten so ist, wird durch die Arbeiten von Patrizia Wiesner vor Augen geführt, die für ihre Serie „your image is a code“ digitale Bilder als Textfiles geöffnet und den Code im einen Fall teils über dessen Bild hat laufen lassen; im anderen wurde er minimal abgewandelt (alle Fragezeigen des Textes wurden gegen je ein Semikolon getauscht, etwa 2.500 Zeichen insgesamt also auf diese Art verändert), was das Bild gleich zur Unkenntlichkeit entstellt, es weit gehend in monochrome Balken transformiert. Im dritten Fall bringt das Löschen von Teilen des Codes eine andere Form von Bildstörung mit sich: horizontale Fragmente, von der Künstlerin „leftovers“ genannt, ziehen ein anders konfiguriertes Bild der Wirklichkeit nach sich, die „Bildlandschaft“ verändert sich. Natur wird in dieser Arbeit Kultur gegenübergestellt, in Form von Schrift, von Text, von Sprache als einer Kulturtechnik, als vom Menschen Gemachtes; „Welt“ im archaischen Sinn steht einer Form, sie zu begreifen, zu beschreiben gegenüber, und leicht beängstigend ist die Tatsache der Möglichkeit, per Knopfdruck zwischen „Text“ und „Bild“ switchen zu können, letzteres über wenige Eingriffe grundlegend zu ändern. Text: Ulrike Matzer

An Ceartuair   (At This Moment)
C-Print 45x61 cm
Tongue / Vienna 2008
An-Dràsda   (Just Now)
C-Print 45x61 cm
Loch Naver / Vienna 2008

Words May Change Your Image

Galerie Raum mit Licht 11. 11. – 10. 12. 2008
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Das technische Bild—die Photographie—mit Vilem Flusser verstanden als konnotativer Bedeutungskomplex lässt dem/der Betrachter/in zwar Raum für Interpretation, wird aber gleichzeitig immer schon als Symptom und nicht als Symbol einer konkreten Wirklichkeit erfasst. Es scheint als wäre die Ebene der Bedeutung an der zweidimensionalen Oberfläche zu finden. Das historisch lineare Denken wird durch das entstandene photographische Idol in ein nachgeschichtliches zirkulierendes Bewusstsein umcodiert und läuft dem textuellen Erfassen der Zeichen-Sprache vor- und nach. So befindet sich das Photo in einer Art von Zwischenraum. Es ist ein Vakuum in dem die Begriffe aus Zeilen zu Sachverhalten werden und in den Bildern wie ewig wiederkehrende Gedanken kreisen. Ein kritisches und wesentliches Bildverständis ist nur durch textliche Übersetzung möglich. Als autoritäres Zeichen und lokutionärer Akt ist der Begriff eine In-form-ation und verändert sowie gesprochen als auch gelesen die sinnliche Wahrnehmung und den Zugang der BeobachterIn, es verändert die Interpretation und somit auch die Begriffe des Bildes. Die Information im Kontext ist Grundlegend für das Sehen eines Bildes. So wie sich seit der Erfindung der Schrift ihre Zeichen, deren Bedeutung und Sinn und auch der phonetische Ausdruck immer wieder modifizierten, anpassten und verschwanden, ist unsere (photographische) Wahrnehmung einem steten Wandel unterworfen dem der textuelle vor- und nachläuft. Da uns Bilder jedoch keine Allgemeine Begriffe mehr bedeuten öffnen sie uns ein leeres und bedeutungsloses Universum. Sie füllen es mit einem magischen Code. Wenn wir nun die Begriffsbildung als eine Grundmöglichkeit des Daseins selbst erkennen und die Ausdehnung der photographischen Realität beobachten, wird uns augenblicklich augenscheinlich wie relevant ein kritisches photographisches Bewusstsein für unser Dasein ist. Das Überlagern der Photographie mit ihrem digitalen Text-Code soll die Begriffliche Undurchsichtigkeit und die dadurch entstehende Verstellung der Wirklichkeit anzeigen. Die Beschreibung mit den schottisch-gaelischen Worten an ceartuair für “at this moment” und an-dràsda für “just now” meint das Nichtentkommenkönnen der Photographie aus dem linearen begrifflichen Denken. Die dem Ort zugeschriebene Sprache und deren Aussprache verweist auf die Entferntheit des Moments der Aufnahme welcher immer nur in seiner Abstraktion real wird. Die für uns “fremde Sprache” kann eine solchermaßen verschobene Bedeutungsebene nur andeuten und die (verdrängte) historische Lesart der Photographie plakativ skizzieren.

In regards to Vilém Flusser's theory of the technical image—a Photo—shall be understood as a connotative aggregate of meanings, in fact leaving the spectators with room of interpretation but is coevally construed ever more like a symptom than a symbol of the entire reality. It seems as if a "layer of meaning" is located on the two-dimensional surface of the picture. Through a process of transliteration the photographic idol now turns our historic-linear thinking into to a post-historical consciousness. Trying to grasp the textual meaning of the image, this circulating thinking operates before and after the language of symbols. Thus the photo creates a disposition of interspace. In this vacuum of meanings, terms in lines become states of affairs, eternally recurring thoughts rotating in the image. Since the technical image pictures no longer a scene but represents a text, a critical understanding is only provided by a textual translation. As an authoritarian Symbol and locutionary act a term in-form-ates spoken such as read the interpretation of the manner the sensual perceived appears. Hence the contextual information (in this case the code of the digital image) is essential for seeing a technical image. Ever since the invention of script its symbols, their meanings and sense, as well as the phonetical expression have been modified, modulated and lost, our perception (of images) likewise mutates ideas, backwards those ideas mutate our interpretation of perception. As the technical image does not represent an abstract idea any more it opens up an empty and meaningless universe and fills it with a magical code. Now if conception is utterly fundamental for human existence we instantly recognize how relevant a critical photographic consciousness becomes due to the fact that we are living in a highly expanding photographic reality. The work "words may change your image" shows two former analogue images superposed with a part of the—now digital—text code, to exhibit the alteration of the reality by a semiotic transformation from seeing the visible into reading the visible. By writing the scottish-gaelic terms an ceartuair (at this moment) and an-dràsda (just now) on the pictures surfaces I want to signify that holding on to this semiotic approach of the visible, photography can never escape a linear thinking. Especially the gaelic language attributes a location and a particular vocation and should in this work refer to the remote moment of capturing that only becomes real in its abstraction. A for us foreign language can only foretell the shifted layers of meaning and strikingly sketch the (repressed) historic-linear reading of a photo.

Curriculum Vitæ

Patrizia Wiesner–Ledermann, geboren 1981, lebt in Wien und Manchester
Patrizia Wiesner–Ledermann, born 1981 in Vienna, photographer

Ausbildung

Seit 2004Studium der Philosophie an der Universität Wien
2007/08Schule für künstlerische Photographie, Wien
1998/04Höheren Graphischen Bundes- Lehr- und Versuchsanstalt, Abteilung Photographie, Wien

Education

Since 2004Student of Philosophy at the University of Vienna
2007/08School for Artistic Photography, Vienna
1998/04Federal Graphic Institute of Higher Learning, department of Photography, Vienna

Ausstellungen

10/2009Gruppenausstellung "ViennArt 2009: Wiener Gerücht", MUSA Museum auf Abruf, Wien
02/2009Gruppenausstellung "Bette dein Haupt auf Stroh und genieße die Aussicht", Galerie Denkraum, Wien
11/2008Gruppenausstellung "movere – poesie des moments", Galerie Raum mit Licht, Wien
05/2008Gruppenaustellung im "subsatellit", Soho in Ottakring
Seit 12/2005Wechselnde Photographien im Literaturcafe Café Kafka, Wien
08/2000Austellung im Kunstwerk Wien im Zuge des Theaterstücks “Der Zensor” von Anthony Neilson

Exhibitions

10/2009Group exhibition "ViennArt 2009: Wiener Gerücht", MUSA Museum auf Abruf, Vienna
02/2009Group exhibition "Bette dein Haupt auf Stroh und genieße die Aussicht", Denkraum Gallery, Vienna
11/2008Group exhibition "movere – poesie des moments" Raum mit Licht Gallery, Vienna
05/2008Group exhibition at "subsatellit", Soho in Ottakring
Since 12/2005Varying photographs at literature-café Kafka, Vienna
08/2000Exhibition at Kunstwerk Wien in conjunction with the play “The censor” by Anthony Neilson

Auftragsarbeiten (Auswahl)

03/2010Produktphotographie — Ökokreis Magazin
02/2008Bandphotographien — "Into the arms of chaos" von Whispers in the Shadow
10/2007Photo für den Ausstellungskatalog “waypoints like sharon's stone”, Kunsthalle Exnergasse, Wien
10/2007Photographin — Transparadiso Projekt “Ish bin ein…”
07/2006Kunstwerk Wien im "Resident Magazin"
10/2005 - 02/2007Photographin — Agentur Mast, Wien
08/2005 - 10/2006Photographin — Photostudio Fuchsjäger, Wien
09/2003Photographin — Wickerl Adam und Sex without Nails Bros. Musical "Joe's Garage" von Frank Zappa
10/2002Photographien für das Buch “Minenfelder unserer Träume” von Thomas Havlik
07/2002 - 08/2002Photo Albrecht, Schweiz — Praktikum
02/2002Whispers in the Shadow — "Eclipsed Magazine"
07/1999 - 09/1999Photostudio Renate Fuchsjäger — Praktikum

Selected Commercial Work

03/2010Photography — “Ökokreis Magazin”
02/2008Bandphotography — “Into the arms of chaos” by Whispers in the Shadow
10/2007Picture for the catalogue of the exhibition "waypoints like sharon's stone” kunsthalle exnergasse,vienna
10/2007Photographer — project “ish bin ein…” by transparadiso
07/2006Kunstwerk Wien in "Resident Magazine"
10/2005 - 02/2007Photographer — Agentur Mast, Vienna
08/2005 - 10/2006Photographer — Photostudio Fuchsjäger, Vienna
09/2003Photography — Wickerl Adam and Sex without Nails Bros. Musical "Joe's Garage" by Frank Zappa
10/2002Photography — “minefields of our dreams” by Thomas Havlik
07/2002 - 08/2002Internship — Photo Albrecht, Switzerland
02/2002Whispers in the Shadow — "Eclipsed Magazine"
07/1999 - 09/1999Internship — Renate Fuchsjäger Photostudio, Vienna

pad.me Visuals

11/2007"System King-Kong", Arsenal Objekt 210, Wien
09/2007"waves-fields-fronts", kaleidoskop, Wien
08/2007"Vienna Drum and Bass", Arena Wien
04/2007"Synergetic Movement Vienna", WUK, Wien
12/2006"Synergetic Movement Vienna", The Zoo, Wien
10/2006"Fase53", Wien
09/2006"Synergetic Movement Vienna", The Zoo, Wien

pad.me Visuals

11/2007"System King-Kong", Arsenal Objekt 210, Vienna
09/2007"waves-fields-fronts", kaleidoskop, Vienna
08/2007"Vienna Drum and Bass", Arena Vienna
04/2007"Synergetic Movement Vienna", WUK, Vienna
12/2006"Synergetic Movement Vienna", The Zoo, Vienna
10/2006"Fase53", Vienna
09/2006"Synergetic Movement Vienna", The Zoo, Vienna
Copyright 2008-2011 Patrizia Wiesner – patapoe@mediavirus.org